Geschichte

Zur Firmen- und Familiengeschichte der Zimmerei, Schreinerei, Sägewerk und Landwirtschaft an der Arbergstrasse 11 in Seen

Verfasst von Fritz Hagmann jun. (geb. 1934)

Anmerkung des Verfassers: Es gehörte nicht zu den Gepflogenheiten der Hagmänner Dinge aufzuschreiben und sich für die Familiengeschichte zu interessieren, man hatte ja schliesslich zu arbeiten.

Die Anfangsjahre:
1894 kam der Zimmermann Johann Hagmann von Sax – Sennwald im Rheintal nach Seen und kaufte die Liegenschaft an der Arbergstrasse 9. Dort stellt er 1898 eine Werkbank und seine Werkzeugkiste auf und begann sein Geschäft. Man bedenke, damals war Häuserbau und Zimmerei ein Handwerk. Die Balken wurden noch grösstenteils mit der Breitaxt von Hand gehauen. Stemmeisen, Stossaxt, Handbeil, Hand und Bundsäge waren die Werkzeuge die man benötigte. Gebaut wurde auf der Baustelle und nicht in der Werkstatt.

Die Hagmanns, also Johann und seine Frau Marie wurden in dieser Zeit Eltern dreier Buben: Hans 1897 geboren, Köbel 1899 und Fritz 1901. Nicht nur die Familie, sondern auch das Areal entwickelte sich rasch: 1907 baute Johann das Haus an der Arbergstrasse 7. Mit Beginn des Maschinenzeitalters nahm er 1911 den Bau der Werkstatt mit zugehörigem Wohnhaus an der Arbergstrasse 11 in den Angriff. Beides besteht bis heute auf dem Hagmann-Areal.

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Das Wohnhaus hatte einen einfachen rechteckigen Grundriss. »Schöner Wohnen« scheint damals nicht gefragt gewesen zu sein. Johann Hagmann hatte schliesslich ein Geschäft aufzubauen. Er betätigte sich als das was man heute Generalunternehmer bezeichnet. Er sei, wenn die Arbeit knapp wurde jeweils ins Neudorf hinunter gegangen, mit einer Karrette voller Sägemehl und hätte den Aushub für ein neues Haus, meist Doppeleinfamilienhäuser, markiert. Am andern Morgen wurden die Arbeiter mit Pickel Schaufeln und Karretten hinunter geschickt um das Kellergeschoss auszuheben. Man bedenke, kein Bagger, kein Kran, kein Strom auf der Baustelle. Natürlich waren im Betrieb auch Maurer angestellt.

Als Saxer in sehr bäuerlicher Umgebung aufgewachsen, hat Johann auch eine kleine Scheune gebaut und wenig Vieh gehalten. Diese Scheune ist 1919 abgebrannt, weil der Rossknecht nach fastnächtlichem Treiben im Heu schlafen wollte, sich aber noch eine Pfeife angezündet hatte. Der Rossknecht habe überlebt. Natürlich wurde sofort eine neue, grössere Scheune gebaut und bis in die siebziger Jahre wurde fleissig gebauert. Diese Scheune steht heute noch.

Zweite Generation: Eine olympische Goldmedaille trägt zum Geschäftserfolg bei
Beide älteren Buben wurden Zimmerleute, nur Fritz sollte Maurer werden. Es gab aber wenig Arbeit in der Maurerei, so wurde Fritz halt auch Zimmermann. Hans gründete seine eigene Zimmerei in Kollbrunn, Köbel wanderte nach Amerika aus und Fritz kaufte 1928 das väterliche Geschäft. Im gleichen Jahr heiratete er Elsie Müller, eine Tochter der Chörblimüllers, Besitzer der in Seen ansässigen Korbwarenfabrik. 1932 kam Ruth und 1934 Fritz jun. zur Welt.

Zur Person Fritz sen. ist zu bemerken, dass er ein ausgezeichneter Sportler war: Zweimal gewann er als Nationalturner das Eidgenössische, als Schwinger unzählige Schwingfeste und als Mittelgewichts-Ringer Olympiagold an den Spielen 1924 in Paris. Es hat ihn seiner Lebtag geärgert, dass er nie Schwingerkönig wurde. Seine Ausstrahlung und die Bekanntheit als Sportler bescherten Fritz einen grossen Vorteil gegenüber der Konkurrenz; obwohl er das Geschäft in den Krisenjahren übernahm hatte er immer Arbeit.

Zum Fuhrwerken dienten zwei Pferde. Die Gillberte, genannt Bertel und Bobi. Bertel war Fritzes Eidgenoss, sein Militärpferd, er war Dragoner. Diese beiden waren harte zähe Arbeiter. Da es während des Krieges kein Benzin gab fuhrwerkte er bis 1946 mit den Pferden, danach kaufte er den ersten Traktor.

Von 1949 bis 1952 lernte Fritz jun. im väterlichen Betrieb Zimmermann und beteiligte sich ab 1958 am Familiengeschäft.

Von der Schreinerei zum Wohnareal
1959 kamen Christian, 1960 Barbara und 1962 Ueli, die Kinder von Fritz jun. und Edith Hagmann-Egger zur Welt. Bis 1975 wohnten sie im Haus Arbergstrasse 11 und zügelten dann nach Eidberg.

In diesem Jahr suchte sich Fritz ein neues Betätigungsfeld. Die Zimmerei wurde an die Familie Baltensperger verkauft und die Schreinerei an die Familie Bucher. Diese ging leider Konkurs; so entstand die heutige Form des Multihandwerkbetriebes.

2013 übergab Fritz Hagmann das Areal zur Weiterentwicklung an seine drei Nachkommen. Gemeinsam entwickelten die Geschwister das heutige Konzept zur Gestaltung und sinnvollen Nutzung des Familienbesitzes.

Teil des Konzeptes ist die Idee, dass das Familienprojekt von der kommenden Generation weitergeführt wird. Deshalb werden die Nachkommen der Geschwister, Felis, Klara, Sophie und Lorenz bereits heute teilweise in das Projekt einbezogen.

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